Brandschutz im Einklang mit dem Denkmalschutz

Ein Kleinod mit erhaltenswertem Flair und brandschutztechnischen Schwächen: So stellte sich das Lenbachhaus in München vor seiner Sanierung dar. Deckenkonstruktionen mit Gipsplatten machten es möglich, die historischen Räume zu erhalten und bautechnisch an moderne Anforderungen anzugleichen.

Das neue Lenbachhaus in München hat seinen alten Charme wieder gewonnen. Dies verdankt das Museum einer Generalsanierung mit teilweisem Neubau. Dabei stellte das mit der Bauaufgabe betraute Büro Foster + Partners die historische Dreiflügelanlage frei und hob sie durch ein neues Atrium hervor. Gleichzeitig verlagerten die Architekten den Hauptzugang in den angrenzenden Neubau und passten die Bestandsräume sicherheits-, schallschutz-, beleuchtungs- und brandschutztechnisch sowie in den Belangen der Haus- und Klimatechnik an die Anforderungen heutiger Museumsbauten an.

Diese Anforderungen mit den Belangen des Denkmalschutzes und der Bestandssicherung in Einklang zu bringen, gehörte zu den großen Herausforderungen der Sanierung. Dies betraf insbesondere die Decken, die bei gleichzeitiger Erhaltung vorhandener Raumhöhen brandschutztechnisch ertüchtigt werden mussten, da die Altbautrakte heutigen Vorschriften nicht mehr genügten. Mittel zum Zweck waren hier vielfach Trockenbaukonstruktionen, die oft als Sonderdetails ausgeführt wurden.

Decke unter Decke im Eingangsfoyer
Die erste Lösung dieser Art begegnet Besuchern schon in der Eingangshalle im Erdgeschoss des Museums: Im heutigen Zustand ist die Unterkonstruktion für die von der Decke herab hängende Plastik "Wirbelwerk" des zeitgenössischen Künstlers Olafur Eliasson nicht mehr zu sehen. Der spiralförmige Wirbel aus poliertem Metall und farbigem Glas reicht von der Decke bis dicht über die Köpfe der Besucher herab. Die Skulptur mit 450 präzise eingesetzten Glasscheiben hat bei einer Höhe von acht Metern einen maximalen Durchmesser von acht Metern. Um das tonnenschwere Ausstellungsstück sicher zu montieren, mussten drei Stahlträger mit bis zu 12 m Spannweite eingezogen werden. An diesen hängen zwei miteinander verbundene Oktagone aus Stahlträgern. Sie nehmen die Abhängepunkte respektive Schwerlastabhängungen des Kunstwerks auf. Den notwendigen Brandschutz garantieren 20 mm Knauf Fireboardplatten, mit denen sowohl die Stahlträger als auch die Oktagone zweilagig ummantelt wurden. Bei Ersteren dienten CD-Profile als Unterkonstruktion, die Oktagone wurden vierseitig eingehaust.

Unterhalb dieser Konstruktion verläuft eine zweigeteilte Lösung nach dem Knauf-System Sichtdecke unter Brandschutzdecke: Sie besteht aus einer zweilagig mit 12,5 mm Knauf GKF-Platten sowie zusätzlich hinterlegten Bewegungsfugen ausgeführten Decke der Brandschutzklasse F 30, die mit Noniushängern direkt von der Decke bzw. an Weitspannträgern abgehängt wurde. Ergänzt wird diese durch eine Decke des Systems Knauf Cleaneo mit Akustikdesignplatten der Lochung 8/18 R. mit Akustikflies, in PE-Folie gehüllte Mineralwolle optimiert die erforderlichen Schallschutzqualitäten. Die Deckenrandbereiche sind als Friese mit Lichtvouten ausgeführt.

Weitspannträger tragen Brandschutzkonstruktionen
Auch der im so genannten Ateliergebäude positionierte Verwaltungstrakt des Museums wurde im Zuge der Sanierung brandschutztechnisch aufgerüstet. Im Büro des Museumsdirektors etwa wurden Weitspannträger aus UA-Profilen mit bis zu 3,50 m Spannweite und 15 kN/m² Tragfähigkeit zwischen die Wände gespannt und miteinander verschraubt. Im Anschluss hausten die Monteure der mit der Fertigstellung der Trockenbauarbeiten betrauten Firma Baierl & Demmelhuber (Töging/Inn) sie mit 25 mm GKF-Massivbauplatten ein und ergänzten sie durch eine schlanke freitragende Decke, die F90 von oben und unten erfüllt.

Im als Ausstellungsbereich dienenden Grässeltrakt musste die Decke im Erdgeschoss ebenfalls mit Hilfe von neu eingezogenen und brandschutztechnisch eingehausten Weitspannträgern ertüchtigt werden. Eine mit GKF-Massivbauplatten zweilagig beplankte Decke ist teilweise an den Trägern montiert, teilweise an der Rohdecke, die bei vorhergehenden Sanierungen ausgebessert worden war. In Verbindung mit der Rohdecke resultiert aus der Ertüchtigung die Brandschutzqualität F 30.

Im ersten Stock des gleichen Bauteils setzten die Handwerker Stahlträger unter die alten Betonrippendecken und lagerten darauf Weitspannträger auf. Diese sind an den Wangen direkt an den Stegen der T-förmigen Stahlträger mit Winkeln verschraubt und verankert. Die Stahlträger wurden mit Fireboardplatten brandschutzbekleidet. Eine aus zwei Lagen 12,5 mm GKF-Platten konzipierte Brandschutzdecke in F 30-Qualität ist an den als U-Profile ausgeführten Weitspannträgern befestigt. An vorher fixierten Profilen respektive definierten Anschlusspunkten der Brandschutzdecke ist mit Noniushängern eine Sichtdecke aus Bauplatten abgehängt. Für die Abhängung musste ein genauer Nachweis geführt werden.

LED-Beleuchtung setzt Akzente
Im zweiten Obergeschoss der 1896 errichteten Lenbachvilla, die sich hier der Museumspädagogik widmet, war ebenfalls eine Ertüchtigung nötig. Da die Bestandsdecke lediglich F 17 entsprach, durfte die Decke, die die Brandschutzfunktion übernehmen sollte, nicht an dieser Unterkonstruktion abgehängt werden. Entsprechend wurden Weitspannträger zwischen die Wände gespannt und daran eine Brandschutzdecke aus zwei Lagen GKF-Platten entsprechend F 30 montiert, die parallel auch Schallschutzanforderungen abdeckt. Die Spannweiten zwischen den Stahlträgern betragen bis zu 4,80 m, die Träger selbst sind mit Doppelprofilen verschraubt.

Eine in die Decke integrierte LED-Beleuchtung setzt – nicht nur in diesem Bereich – Akzente. Dazu wurde ein von den Trockenbauern angeliefertes Voutenprofil an einem Gipskartonfries in die Decke eingearbeitet. Letzterer ist mit einer Winkelkonstruktion an Konsolen verschraubt, die wiederum mit den angrenzenden Wänden verdübelt sind. Die aus Formteilen aus GKF-Platten gefertigten Vouten schränken die Sichtmöglichkeit auf die Unterkonstruktion ein. An den Stirnseiten angeschraubt wurden die Profile, die dann flächenbündig angespachtelt wurden.

Die LED-Beleuchtung stellte eine besondere Herausforderung für die Trockenbauer dar, „denn mit LED wird aus einer qualitativ hochwertigen Q4-Verspachtelung ein fränkisches Mittelgebirge“, erklärt Jan Wirth, Projektleiter Innenausbau bei der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH. „Sichtbar glatt verspachtelte Gipsplatten zeigen, dass LED praktisch nicht vorhandene Unebenheiten hoch stilisiert“, fährt er fort. Teilweise ließ sich dieses Problem durch abgerundete Formteile in Form jener die Flächen unterbrechenden Voutenprofile aus Gipsplatten beheben. Darüber hinaus wurden die verspachtelten Decken bauseits nochmals mit einem vollflächigen Dünnputz beschichtet, bei dem verschiedene Körnungen die harte Strahlung ausgleichen, sodass die Decke letztlich glatt wirkt.

Gute Zusammenarbeit als Qualitätsgarantie
In der Lenbachvilla und in den im Ateliertrakt liegenden Büros hängen unterhalb der an Weitspannträgern abgehängten Brandschutzdecken in F 90-Qualität nach dem System Decke unter Decke in die gleiche Unterkonstruktion eingeschraubte Akustikdecken. Die Brandschutzebene ist teilweise frei tragend, die Sichtdecken sind mit Knauf Akustikdesignplatten der Lochung 8/18 ausgeführt. Da dieser Bereich ebenfalls mit LED-Technik ausgeleuchtet wurde, war es auch hier besonders wichtig, eine möglichst hohe Verarbeitungsqualität zu garantieren.

Im Foyer, im Laden und im Restaurant erwies sich der Schallschutz in Verbindung mit technischen Einbauten als größte Herausforderung für die Trockenbauarbeiten, da die Lautsprecheranlage in diesen Versammlungsstätten im Falle eines Brands noch gut hörbar sein muss. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Nachhallzeiten und entsprechend groß die Flächen, die akustisch aktiviert werden müssen. So kamen in diesen Bereichen ebenfalls Cleaneo Akustikdecken zum Zuge, die an Noniushängern und teilweise an Weitspannträgern montiert wurden.

Dass alle diese Lösungen erarbeitet werden konnten, stellte die beteiligten Planer und Handwerker vor eine im Projekt Lenbachhaus immer wiederkehrende Herausforderung. Auch deshalb, weil für die Unterbringung der technischen Gebäudeausrüstung mit den diversen Lüftungskanälen, der Sicherheitstechnik, der Elektrizität und der Beleuchtung teilweise ebenfalls nur die sehr begrenzten Zwischendeckenbereiche zur Verfügung standen. Doch klare Absprachen, eine gute Bauleitung durch das Büro Ernst2 und auch seitens der Stadt München als Auftraggeberin sowie die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Planern und Bauunternehmen stellten letztlich sicher, dass jede einzelne Herausforderung in einem optimalen Ergebnis mündete, dem heutigen Lenbachhaus. Einem Münchner Kleinod, das mit seinem Charme seit der Wiedereröffnung Millionen von Besuchern in die Räume zieht und zu den beliebtesten Museen der Stadt gehört.

Drei Stahlträger mit bis zu 12 m Spannweite und zwei daran befestigte Oktagone aus Stahlträgern halten das tonnenschwere „Wirbelwerk“ von Olafur Eliasson. Den Brandschutz der Stahlträger garantieren 20 mm Fireboardplatten. | Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München
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